Was für ein Text! 

1888 schreibt dieser halbirre, größenwahnsinnige, feinsinnige Chauvinist einen Einakter, der es in sich hat. Der Plot ist genauso verrückt wie sein Schöpfer: Der Maler Dolf begegnet dem charismatischen, geradlinigen, durchsetzungsstarken, mit einem Wort: männlichen Gustaf und wird in Windeseile von diesem Alphatier davon überzeugt, dass seine Ehe faul ist. Die selbstbewusste emanzipierte Künstlerin an seiner Seite ist in Wahrheit der Grund für seinen geistigen und körperlichen Verfall, er geht schon am Stock und Gustaf erkennt glasklar in Dolfs Verhalten die Vorzeichen einer beginnenden -jawohl! – Epilepsie. Aber es gibt eine Rettung und das ist die Wiederherstellung der natürlichen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Derart moralisch gestärkt wirft sich Dolf in den Kampf gegen seine Gattin, die zwar recht schnell bemerkt, dass ihr Mann – mal wieder – manipuliert wird, aber angesichts der Vorwürfe, die nun kommen werden die Waffen strecken wird. 

Das ist er der Kampf der Gehirne, der Geschlechterkampf, die große Schlacht, die Strindberg in einem knapp einstündigen Einakter zu einer intensiven Kammerspiel verdichtet.

Trailer meiner Diplominszenierung von Strindbergs „Gläubiger“ im März 2012, Mozarteum Salzburg.

Darsteller: Johannes Lange, Theresa Palfi, Paul Schaeffer

Bühne und Regie: René Braun